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Wenn die Börsenkurse fallen
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben,
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz
los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung
potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heisst, Bewohner müssen raus.
Trifft's hingegen grosse Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken
auch die Spekulanten-Brut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt
privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der kleine Mann zu blechen
und, das ist das Feine ja,
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung
nur.
Aber sollten sich die Massen das
mal nimmer bieten lassen, ist
der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg
gemacht.
AutorIn: unbekannt, angelehnt an
Kurt
Tucholsky
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Solidarität mit
Armutsbetroffenen
In dieser Zeitung lesen Sie, was
Sozialapartheid konkret heisst,
wenn es um die
Mietkosten von
SozialhilfeempfängerInnen geht.
Pierre Heusser, Rechtsanwalt aus
Zürich, weist nach, dass gewisse
Wonsitzgemeinden systematisch
von SozialhilfeempfängerInnen
verlangen, eine günstigere
Wohnung zu suchen, obschon es in
der Wohnsitzgemeinde gar
keine gibt.
Christine Goll,
SP-Nationalrätin, zeichnet den
von den Bürgerlichen immer
wieder
torpedierten Weg zur
Harmonisierung der Sozialhilfe
auf Bundesebene nach: Wussten
Sie, dass der Versuch zur
Harmonisierung der so genannten
„Armenpflege“ in
der Schweiz vor über hundert
Jahren (!) begonnen hat?
„Die Finanzkrise ist also nicht
auf eine ‚simple
Vertrauenskrise' bezüglich der
Freiheit
des Marktes zu reduzieren. Sie
offenbart vielmehr gleichzeitig
eine tiefe Krise
der Demokratie.“ Diese
Schlussfolgerung zieht Silivia
Staub-Bernasconi, Professorin
für Soziale Arbeit. „Den Banken
geben, dem Sozialstaat nehmen“,
ist wohl die Kurzformel der
aktuellen Krise unserer Zeit
(Seiten 9 und 10).
Lesen Sie auf den Seiten 11 und
12, was eigentlich hinter den „Missbrauchs“-Het-zen
steckt, die die Schweiz seit
etwa fünfzehn Jahren
beschäftigen. Ständig neue
Gruppierungen werden diffamiert
und stigmatisiert. Kurt Wyss,
freischaffender Soziologe,
liefert kritische Einsichten in
das verdrängte Unbehagen einer
Gesellschaft,
die immer mehr auseinander
treibt und „Überflüssige“ an
ihre Ränder drängt.
Daher: Es braucht ein klares
Nein zur Sozialapartheid in der
Schweiz und eine solidarische
Gegenbewegung zum
millionenschweren
Rechtspopulismus.
Übrigens: Die IG Sozialhilfe
darf dieses Jahr einen
halbrunden Geburtstag feiern:
Vor 15 Jahren wurde die
InterssenGemeinschaft (IG)
Sozialhilfe gegründet – der
Verein zur Verwirklichung der Menschenrechte für Armutsbetroffene: Einen
würdigen, jedoch auch
kritischen Rückblick lesen Sie
nebenan. Feiern Sie mit uns
diesen Geburtstag (mehr dazu auf
Seite 6).
Es gibt nur eins: Solidarität
mit Armutsbetroffenen!
IG Sozialhilfe
Inhaltsverzeichnis:
3 Branka
Goldstein:
15 Jahre IG Sozialhilfe –
nötiger denn je
5 Pierre
Heusser: Wenn das Sozialamt
mobbt
6 Oswald
Sigg: Versorgt und vergessen
7 Christine Goll: Armut
bekämpfen – jetzt!
8
Thomas Lampart:
Die unsichtbare Armut der
Entrechteten
9 Silvia Staub-Bernasconi:
Die globale Finanzkrise – Den
Banken geben, dem Sozialstaat
nehmen
11
Kurt
Wyss:
Was steckt hinter den „Missbrauchs“-Hetzen?
13
Petition
zum internationalen UNO-Tag
gegen Armut
und Ausgrenzung 2008
14
Branka Goldstein:
Verwirklichung der
Menschenrechte auch
für Armutsbetroffene: Aus dem
Jahresbericht der
IG Sozialhilfe 2008
16
Matronats- und Patronatskomitee
der IG Sozialhilfe |